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Pfeffenhausen im Nationalsozialismus

  • Bildquelle: Archiv Haberberger

    Das Foto zeigt die Vereidigungsparade am 25-März 1945 vor dem Rathaus Pfeffenhausen

    Warum diese Veröffentlichung „Pfeffenhausen im Nationalsozialismus“?

    „Es ist dies wieder ein Zeichen, dass gerade  Pfeffenhausen schon  von jeher als Hochburg der Nationalsozialisten galt“,  so heißt es in einem Artikel im  Rottenburger Anzeiger No. 251 vom 2. November 1934

    Diese Veröffentlichung über die Zeit des Nationalsozialismus in der Gemeinde Pfeffenhausen soll dazu dienen, dass die Öffentlichkeit erfährt, was sich damals in unserer Gemeinde  ereignet hat. Vor allem die jüngere Generation in unserem Ort dürfte sehr wenig über die damalige Zeit wissen.  Warum die Nationalsozialisten so viele Anhängerinnen und Anhänger besonders in Pfeffenhausen gefunden hatten, dass hätten  die damaligen Zeitzeugen  berichten können.  Dafür ist es jetzt zu spät. Die damaligen Zeitzeugen und die örtlichen Nationalsozialisten sind mittlerweile alle verstorben. Jetzt gibt es nur Vermutungen darüber, warum eine solche verbrecherische Ideologie wie der Nationalsozialismus, so viele Anhängerinnen und Anhänger  in  Pfeffenhausen gewinnen konnte. Schon frühzeitig bekam die NSDAP hohe Wahlergebnisse in Pfeffenhausen, die deutlich höher waren als in anderen Ortschaften wie Rottenburg, Ergoldsbach,  Hohenthann oder Langquaid. Bei verschiedenen Landtagswahlen und Reichstagswahlen in  den 1920er Jahren bekam die Kommunistische Partei (KPD) sehr hohe Stimmenanteile. Teilweise über  25 % der abgegebenen Stimmen. Bei der Reichstagswahl am 7.12.1924 bekam die KPD über doppelt so viele Stimmen wie der Völkische Block (NSDAP).  Es existierte auch eine Ortsgruppe der Kommunistischen Partei in Pfeffenhausen bis zum März 1933. Dies deutet auf eine sehr starke politische Polarisierung auf ein rechtes und linkes Lager in den 1920er Jahren und bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 hin.   Die SPD hatte in Pfeffenhausen in den 1920er und 1930er Jahren eine unbedeutende Rolle gespielt.  Aber auch die NSDAP bzw. der Völkische Block (nach dem Verbot der NSDAP 1923) bekamen bereits ab 1924 hohe Stimmenanteile in Pfeffenhausen, im Gegensatz zu anderen Orten im Bezirk Rottenburg. Ab  dem Jahre 1930  bekam die NSDAP massiven Zuspruch in Pfeffenhausen. Mehr Stimmen als die Bayerische Volkspartei (BVP).

    Es werden in dieser Veröffentlichung keine Verurteilungen  von Personen vorgenommen und nicht versucht, die Leserin oder den Leser mit einer bestimmten Meinung zu beeinflussen. Die gesammelten Dokumente und die Fakten sprechen für sich. Jede/Jeder kann sich seine eigene Meinung dazu bilden.

    Es entsteht ein Bild von dem damaligen Geschehen in unserer Gemeinde. Es gibt Täter und es gibt Opfer in diesem verbrecherischen System des Nationalsozialismus. Es sollte allen eine Warnung sein, dass eine solche menschenverachtende Ideologie nie mehr wesentlichen Einfluss auf das Denken und Handeln von Menschen gewinnt. Das menschliche mit einander in einem kleinen Ort wird „vergiftet“ und Menschen, die sich von Kind auf kannten, gemeinsam in die Schule gingen, vielleicht in den gleichen Vereinen tätig waren, wurden zu politischen Gegnern. Toleranz gegenüber einer anderen Weltanschauung und die Würde des Anderen treten in den Hintergrund. Die Ideologie des Nationalsozialismus zerstörte sämtliche menschliche Empathie und Würde.

    Ich habe mir viel Mühe gegeben Dokumente und Unterlagen aus dieser Zeit in Archiven aufzuspüren, um ein umfassendes Bild während der Zeit des Nationalsozialismus in unserer Gemeinde aufzuzeigen. Es gibt aber natürlich auch Lücken. Was nicht in Dokumenten, in Unterlagen oder in der damaligen Zeitung dem Rottenburger Anzeiger festgehalten worden ist, dass lässt sich nicht mehr aufspüren. Die veröffentlichten Dokumente, Bilder und Berichte werden jedoch ausreichen, damit sich jede/jeder ein einigermaßen klares Bild von der damaligen Zeit im Nationalsozialismus in Pfeffenhausen machen kann.

    Es war mir wichtig, dass diese Unterlagen nicht in Vergessenheit geraten. Es geht mir nicht darum Menschen bloßzustellen oder zu verurteilen. Die Leserin / der Leser kann sich über die Täter und Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus  einen eigenen Eindruck  machen. Dafür habe ich diese zeitgeschichtlichen Unterlagen gesammelt und veröffentlicht. Und das Wiedererstarken von neofaschistischen, völkischen und  rassistischen Gruppierungen und Parteien in den letzten Jahren   in Deutschland und  in vielen Ländern Europas sollte entschieden durch Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Humanismus entgegen getreten werden. Der Nationalsozialismus ist eine Warnung der Geschichte, dass so etwas nie mehr in Deutschland passieren darf.

    Konrad Haberberger