Die Anfänge der nationalsozialistischen Bewegung

….. in Pfeffenhausen

Am 8. Februar 1923 war im  „Völkischen Beobachter“,  in Nr. 11 auf Seite 5, unter der Rubrik  „Aus der Bewegung – Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ folgender Bericht zu lesen: „Pfeffenhausen b. Landshut. Am 30. Januar gelang es auch in hiesiger Gegend für unsere Partei Boden zu gewinnen. Nach einem ebenso inhaltsreichen als überzeugenden Vortrag des Pg. Straßer aus Landshut erklärte die überwiegende Mehrheit der Zuhörer ihren Beitritt. So daß man anschließend zur Gründung einer Ortsgruppe schreiten konnte. (Parteilokal: Brauerei Weinzierl).“

Der Landshuter Apotheker Gregor Straßer und die Beteiligung Pfeffenhausener am Hitlerputsch am 8. November 1923 in München

Wie der Kontakt zum dem Landshuter Apotheker Gregor Straßer zustande kam, schildert  Andreas Attenberger, der ehemalige  Ortsbauernführer der NSDAP,  in einem Schreiben vom 16. Oktober 1946 an die Spruchkammer des Kreises Rottenburg a.d. Laaber:

„Durch meinen Freund Bäckermeister Michael Zierer in Pfeffenhausen liess ich mich für die Bayer. Volkspartei interessieren, aber wir kamen bald zu der Ansicht, dass von all diesen Parteien keine Rettung aus der wirtschaftlichen Not zu erwarten sei. Der Drogeriebesitzer Gregor Strasser in Landshut, in dessen Geschäft wir schon längst einkauften, trat dann mit Werbung an uns heran. Wir waren der Meinung, dass seine Partei die Vertreter der Kriegsteilnehmer sei und dass von diesen jüngeren Leuten die Interessen unsrer Generation vertreten würde. Es wurde eine Ortsgruppe Pfeffenhausen gegründet, der wir in der 2. Hälfte des Jahres 1923 beitraten. Es hiess dann, dass Hitler am 8. November 23 in Landshut sprechen werde. Da wir ihn noch nicht gehört hatten, sind wir nach Landshut gefahren (mit Rad). Dort erfuhren wir, dass er nicht in Landshut, sondern in Freising sprechen werde. Deshalb fuhren wir mit der Bahn nach Freising. In Freising wartete die Menge bis nach Mitternacht vergeblich. Dann wurde plötzlich in Freising bekannt, dass eine neue Regierung eingesetzt sei, dass in München was los sei, diese Regierung sei bereits wieder abgesetzt, man erfuhr nichts Genaues. Wir begaben uns nach dem Bahnhof Freising, um nach Landshut zu kommen. Am Bahnhof standen Lastwagen, welche nach München fahren sollten. Aus Neugierde fuhren wir auch mit. Nach mehreren Pannen kamen wir gegen 8 Uhr morgens des 9. November 23 nach München. Dort wurden wir abgeladen. Es hiess, dass im Bürgerbräu „gestern Abend“ eine Versammlung gewesen sei, ich lief mit dem Haufen. Wir wurden an einer Brücke (Anmerkung: Wittelsbacherbrücke) vor der Isar aufgehalten, durften die Brücke nicht überschreiten. Da mich fror, ging ich mit anderen in ein Haus zum Wärmen und begab mich mit einem Landshuter nach dem Bahnhof, um nachhause zu kommen. In den ersten Nachmittagsstunden fuhr dann auch ein Zug nach Landshut. Am Bahnhof hatten wir noch erfahren, dass an der Feldherrnhalle Schüsse gefallen seien, dass es Verwundete gegeben habe und Hitler wieder geflohen sei. Ich habe mit dem Geschehen in München gar nichts zu tun gehabt, es nicht einmal aus der Nähe gesehen. Im Jahre 1934 erhielt ich den „Blutorden“, weil ihn damals ein jeder bekam, der am 8. oder 9. November auf dem Marsch nach München war. Die Partei hat damals für alle eingegeben. Ich erhielt in per Post.“

Im Rottenburger Anzeiger vom 25. Februar 1934 war damals zu lesen: „Durch die Reichskanzlei wurde dem Pg. Herrn Andreas Attenberger, Ortsbauernführer von Pfeffenhausen der Blutsorden mit Diplom und eigenhändiger Unterschrift des Führers verliehen. Gratulieren.“

Bäckermeister Michael Zierer sen. beschreibt in seinem Spruchkammerverfahren, in einem Schreiben vom 24. Oktober 1946 die Anfänge der nationalsozialistischen Bewegung in Pfeffenhausen wie folgt:

„ In meiner Angelegenheit betreffend Entnazifizierung erlaube ich mir zu meiner Entlastung bezw. Verteidigung folgendes auszuführen: Im Frühjahr 1922 kam Gregor Strasser von Landshuter, (derselbe Strassser, den Hitler 1934 erschiessen liess) mit noch einigen Herren zu mir in die Wohnung um Rücksprache zu nehmen, wegen Beitritt zur Nationalsozialistischen Bewegung. Nach einer kurzen Aussprache kamen wir überein, dass er (Strasser) in nächster Zeit wiederkommen und die 25 Programmpunkte erläutern werde. Dies geschah auch. Alle, in der szt. Versammlung Anwesenden waren damals mit den 25 Programmpunkten einverstanden. Mich persönlich zog besonders der Titel „Nationalsozialismus, das verdeutscht nur „Volksgemeinschaft“ heißt, an. Zur selben Zeit, wo 28 Parteien im Reichstag vorhanden waren und eine Partei die andere bekämpfte, konnte keine Volksgemeinschaft zustande kommen, die Deutschland so notwendig brauchte. Weiters zog mich auch der Programmpunkt 24, in welchem es hiess: „Der N.S. steht auf dem Standpunkt des „positiven Christentums“. Unter positiven Christentum verstand ich damals allerdings etwas anderes, als wie es dann nach 1933 proklamiert und in die Tat umgesetzt wurde. So kam dann damals auch eine Vereinigung verschiedener Anhänger in Pfeffenhausen zustande; wir blieben jedoch an die Ortsgruppe Landshut angegliedert und zwar bis zum 9. November 1923. Mich ersuchte szt. Gregor Strasser die Leute etwas zusammenzuhalten; für Zeitungen, Broschüren etc. sorge er schon. Eine öffentliche Versammlung fand während dieser Zeit nur einmal und zwar 1923 statt, da die Redner hauptsächlich nur in Städten tätig waren. Dies war in der Hauptsache meine Tätigkeit vor 1923.

Als 1924 im April Adolf Hitler und noch einige zu fünf Jahren Festung verurteilt wurden, schien dieser Traum ausgeträumt gewesen zu sein. Aber schon im Dezember desselben Jahres kam in den Zeitungen die Nachricht, dass die Häftlinge in Landsberg in Freiheit gesetzt wurden. Ja! Nach ganz kurzer Zeit erhielt Hitler die Redefreiheit und die Erlaubnis die Partei weiter zu führen. Ich schüttelte den Kopf und sagte mir, da muss doch das damalige Gericht einen Justizirrtum begangen haben, sonst wäre das gar nicht möglich.

So kam im Sommer 1925 abermals Strasser zu mir, und sagte: „Zierer jetzt sollen auch Sie wieder in Pfeffenhausen anfangen. Ich gab zur Antwort, dass sich dieses nach dem Vorfall am 9. Nov. 1923 in einem kleinen Orte schwer machen lässt. Strasser meinte, das macht nichts, wenn auch der Anfang klein ist. So probierte ich es und brachte 5 Mitglieder zusammen. Bis Mitte 1929 wurden es es 11 Mitglieder. Bis 1929 wurde Pfeffenhausen als Zelle benannt, von da ab Ortsgruppe. Am 30. Januar 1933 waren wir noch kaum 20 Mitglieder. Aber im Verhältnis zur Mitgliederzahl hatte Pfeffenhausen bei den Wahlen immer eine ansehnliche Zahl von nationalsozialistischen Stimmen. Nach der Wahl am 5. März 1933, wo die NSDAP eine ungeahnte Zahl von Stimmen erreichte, wurde es lebendig in die Aufnahme in die Partei“.

Der 1. Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Hans Gräf senior schrieb in einem Beitrag „Städtebeilage für Pfeffenhausen in der NSDAP-Parteizeitung „Bayerische Ostmark“ am 6. Juli 1933:

„Bereits am 1. Februar 1922 wurde hier die Ortsgruppe der NSDAP gegründet und zählt somit zu den ältesten Ortsgruppen Deutschlands. Bei der nationalen Erhebung am 8. und 9. November 1923 marschierten 15 Mann der Ortsgruppe unter den  Fahnen unseres Führers Adolf Hitler  in München. Die Blutorden, die den alten Kämpfern verliehen wurden, geben heute Zeugnis davon. Die alten Kämpfer sorgen heute dafür, daß Pfeffenhausen auch in Zukunft in Treue zum großen Führer des deutschen Volkes bestehen wird.“