Kriegsende / Befreiung vom Faschismus

Am Sonntag, den 29. April 1945 marschierten die ersten amerikanischen Truppen in Pfeffenhausen ein.  Die amerikanischen Verbände, dass berichtete mir meine Mutter, waren in Prammersberg   US-Artillerieverbände stationiert und die amerikanische Armee hatte damit gedroht  Pfeffenhausen zu beschießen, wenn sich der Ort nicht ergeben würde.  Es waren noch einige Soldaten der Waffen-SS im Ort, die ursprünglich Widerstand leisten wollten. Pfeffenhausen wurde dann aber am 29. April kampflos den amerikanischen Verbänden übergeben. Es sollen auch noch einer oder mehrere Panzer der Waffen SS im Ort gewesen sein.

Das Foto mit dem amerikanischen Panzer am Unteren Marktplatz wurde von Richard Freiberger 1951 aufgenommen. Das es nicht 1945 war, zeigt auch  die „furchtlose Ansammlung“ der Pfeffenhausener Bevölkerung. Beim ersten Einmarsch der amerikanischen Truppen am 29. April 1945  hätte die Bevölkerung nicht in dieser Art und Weise so am Straßenrand gestanden.

Amerikanischer Panzer 1951

38.SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ leistete den Amerikanern noch erbitterten Widerstand an der Donau

 16- und 17jährige Soldaten der Waffen-SS waren das letzte Aufgebot Hitlers

In den zwei letzten Aprilwochen vor dem Einmarsch der amerikanischen Verbände waren noch zwei Waffen-SS Division im Donau- und Isarraum im Einsatz. Die 38. SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ und die 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“. Es waren ehemalige Schüler von Adolf-Hitler-Schulen und andere blutjunge Soldaten der 38. SS-Grenadier-Division, die in den Kämpfen um den Donauübergang dem 261. US-Infanterie-Regiment noch erbitterten Widerstand leisteten.

Am 27. März 1945 befiehlt Adolf Hitler noch die Aufstellung der 38. Grenadier-Division der Waffen-SS mit dem Namen „Junker-Schule“, der kurz darauf in „Nibelungen“ geändert wird. Das Rückgrat dieser Division bildeten die Schüler und das Personal der SS-Junkerschule Bad Tölz, in der die Waffen-SS ihre Offiziere ausbildete. Als Gruppenführer setzte man bevorzugt Adolf-Hitler-Schüler (AHS) ein, die sofort den Rang „Sturmmann“, entsprechend dem Gefreiten erhielten. Einige Erzieher der Adolf-Hitler Schulen wurden Kompanieführer, Bataillonsführer oder Regimentsadjutant.

Bereits am 31. März 1945 treffen die ersten AH-Schüler im Schwarzwald ein, Rekruten und weitere AH-Schüler folgen in den nächsten Tagen. Die einzelnen Kompanien werden aufgestellt und die Ausbildung beginnt. Am 15. April werden Teile des 2. Regimentes von „Nibelungen“ in Neustadt/Schwarzwald und in anderen Bahnhöfen verladen und Richtung Donau transportiert. Die amerikanischen Truppen stehen bereits vor Hof und Nürnberg.

Am 21. April trifft das III. Bataillon (Kommandeur Hauptmann d.R. Glander) von „Nibelungen“ per Bahntransport in Neustadt/Donau ein und marschiert in die Einsatzräume an der Donau. Das III. Bataillon übernimmt den Abschnitt Saal, Lengfeld, Bad Abbach. Zwangsarbeiter aus den umliegenden Gemeinden werden zum Stellungsbau an der Donau herangezogen. Am Mittwoch, dem 25. April stehen die ersten amerikanischen Kampfverbände bereits in Kelheim. Das erste Störfeuer der amerikanischen Kampfverbände setzte gegen Mittag am 25.April von Kapfelberg ein. Es wurde die Kirche in Herrnsaal getroffen. Dann blieb alles ruhig bis zum frühen Morgen des 26. April. Die 65. US-Infanterie-Division versuchte im Raum Kapfelberg, die Donau mittels Schlauchund Sturmbooten zu überqueren. Die amerikanischen Kampfverbände gerieten in schweres MG- und Flakfeuer der „Nibelungen“. In gut ausgebauten Stellungen auf dem Höhenzug zwischen Teugn und Alkofen waren 8.8 –cm-Geschütze postiert worden, die allerbestes Schussfeld auf den Donauübergang hatten. Der Versuch  die Donau zu überqueren scheiterte unter großen Verlusten bei den Amerikanern. Trotz mehrmaliger Versuche gelang es ihnen nicht am anderen Donauufer Fuß zu fassen. Gegen mittags können die amerikanischen Infanteristen dann doch einen Brückenkopf am anderen Donauufer bilden und greifen mit Nebelgranaten und Geschützen Teile der SS-Division „Nibelungen“ an. Die SS-Verbände kämpften hartnäckig. Auf beiden Seiten gab es große Verluste. 56 Gefallene und fast 200 Verwundete musste das 261. US-Infanterie-Regiment hinnehmen.

Die SS-Nibelungen verloren 32 Soldaten, von denen noch keiner über 18 Jahre alt war. Schlauchboote der Amerikaner brachten ständig neue Verstärkungen über die Donau. So gelang es den US-Truppen die „Nibelungen“ in Richtung Lengfeld zurückzudrängen. Um die Mittagsstunde war Alkofen von den Amerikanern eingenommen worden. Am Abend tobte noch der Kampf um die  Felder und Wiesen zwischen Alkofen und Lengfeld. Über dreißig Stunden dauerte das Ringen. Erst am 27. April besetzten amerikanische Einheiten den Ort Lengfeld. Das 261. US-Infanterie-Regiment erhält heftigsten Widerstand durch das I. und III. Bataillon der SS-Nibelungen bei der Besetzung Abbachs. Das 259. und 260. US-Infanterieregiment wird zur Verstärkung herangezogen. Im Laufe des Tages besetzen die US-Truppen ganz Abbach.

Insgesamt fanden über 30 SS-Soldaten der „Nibelungen“ den Tod bei den Kämpfen um Alkofen und Lengfeld. Auch über die Ereignisse in Neustadt am 26. und 27. April soll noch in diesem Zusammenhang berichtet werden. Am 26. April wird die Donaubrücke in Neustadt gesprengt. Die 99. US-Infanterie-Division versucht, im Zuge der Straße Neumarkt – Landshut über die Donau zu kommen. Einheiten der „Nibelungen“ beschießen die Amerikaner mit Artillerie. Daraufhin schießen die Amerikaner Neustadt in Brand. Hinter einer künstlichen Nebelwand tritt die US-Infanterie gegen Abend zur Überwindung der Donau an. Der Übergang über die Donau wird von den Soldaten der „Nibelungen“ abgeschlagen.

Die US-Truppen unternehmen bei Neustadt keinen weiteren Versuch über die Donau zu kommen, stehen aber schon am nördlichen Donauufer bei Hienheim. Verbände von „Nibelungen“ liegen am Donauufer vor Eining.  Die US-Infanterie beginnt mit dem Übersetzen über die Donau und werden von der „Nibelungen“-Artillerie beschossen. Es kommt zu einem blutigen Gefecht. Im Laufe des Tages erzwingen die amerikanischen Verbände den Übergang über die Donau und besetzen Eining. Die SS-Verbände ziehen sich zurück und der deutsche Widerstand südlich der Donau im Raum Neustadt ist zusammengebrochen.

Am 27. April wird Regensburg von den US-Truppen eingenommen. Die noch lebenden SS-Soldaten der 38. Grenadier-Division „Nibelungen“ ziehen sich am 28.April über Hausen, Rohr und Rottenburg Richtung Landshut zurück. Am 29. April marschieren die ersten amerikanischen Kampfverbände in Rottenburg und Pfeffenhausen ein. Die 1.Kompanie der „Nibelungen“ zog durch Landshut bis auf die Burg Trausnitz.

Beschuss durch amerikanische Artillerie. Es gibt zwei Tote und mehrere Verwundete. Das III. Bataillon hatte in Landshut an der Isar Stellung bezogen. Ein Teil der „Nibelungen“ geriet schon vor dem erreichen Landshuts in amerikanische Gefangenschaft. Am 30. April hatten die US-Truppen in breiter Front den Isarabschnitt überschritten und Freising, Moosburg und Landshut waren eingenommen worden. Die in diesem Raumsich zurückkämpfenden Teile der 38. SS-Grenadierdivision Nibelungen waren kaum noch als Kampfgruppen anzusehen.

Am 1. Mai Rückzug der „Nibelungen“ über Taufkirchen, Dorfen, Mühldorf/Inn nach Kraiburg. Der Rückzug war ständig von amerikanischen Tieffliegerangriffen begleitet. Die US-Panzer rückten immer wieder bis auf Sichtweite der „Nibelungen“ heran. Kleine Gruppen der „Nibelungen“ bekämpften mit Panzerfäusten vorrückende amerikanische Panzer, wie am 1.Mai in Maierholz. Am 2. Mai überstürzter Aufbruch in Kraiburg und Weitermarsch nach Obing. Über Traunstein ging es dann weiter bis Bad Reichenhall. So irreal heute der Glaube an die „Alpenfestung“ erscheinen mag, damals hielten viele Soldaten die Existenz und Verteidigungsmöglichkeit eines solchen Bollwerkes für gegeben. Im Raum Traunstein kapitulierte die Division Nibelungen mit letzten Teilen in Reit im Winkl gegenüber der 101. US-Luftlande-Division.  Nach dem 8. Mai befanden sich Soldaten der Nibelungen im Gefangenenlager Hüttau. Von dort ging es dann in das US-Kriegsgefangenenlager Regensburg weiter, bis zur Freilassung im Februar 1946. Reste der 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ legten ebenfalls erst am 8.Mai 1945 in Jenbach und Fall die Waffen nieder.