
In Pfeffenhausen gab es 5 Blutordensträger, den Hitler im März 1934 für die Teilnehmer am Hitlerputsch (9.November 1923) gestiftet hatte und an die 8-10 Inhaber des Goldenen Parteiabzeichens, das NSDAP-Mitglieder bis zur Mitgliedsnummer 100.000 als Auszeichnung erhielten.
Schon lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 hatte die NSDAP bei Reichs- und Landtagswahlen überproportional hohe Stimmenanteile in Pfeffenhausen erreicht, die sich ganz deutlich von den Nachbargemeinden abhoben.
Wie kam es dazu?
Aufschluss darüber gibt ein Schreiben des ersten Pfeffenhausener NSDAP-Ortsgruppenleiters M. Zierer sen. in seinem Entnazifizierungsverfahren 1946 vor der Spruchkammer Rottenburg: „Im Frühjahr 1922 kam Gregor Strasser von Landshut ( derselbe Strasser, den Hitler 1934 erschießen ließ) mit noch einigen Herren zu mir in die Wohnung um Rücksprache zu nehmen, wegen Beitritt zur nationalsozialistischen Bewegung. Nach einer kurzen Aussprache kamen wir überein, dass er (Strasser) in nächster Zeit wiederkommen und die 25 Programmpunkte erläutern werde. Dies geschah auch. So kam dann damals auch eine Vereinigungverschiedener Anhänger in Pfeffenhausen zustande. Wir blieben jedoch an die OrtsgruppeLandshut angegliedert und zwar bis zum 9. November 1923.“
Die Pfeffenhausener Beteiligung beim Hitlerputsch
Am 9. November 1923 (Hitlerputsch – Marsch auf die Feldherrnhalle) hatten Hitler und seine Anhänger mit einem abenteuerlichen Putsch versucht die Macht in Bayern an sich zu reißen. Nach einem Bericht des NSDAP-Ortsgruppenleiters H. Gräf sen. waren beim sogenannten Hitlerputsch 15 Männer aus Pfeffenhausen mit dabei. Diese waren mit den Rädern nach Landshut gefahren, um dann mit Gregor Strasser und weiteren Nationalsozialisten (darunter auch sein damaliger Adjutant Heinrich Himmler) im Zug weiter nach Freising zu fahren, weil dort in einer Veranstaltung Adolf Hitler als Redner auftreten sollte. In Freising wurde dann der Umsturzversuch von Hitler bekannt und mit Lastkraftwagen wurden die NSDAP-Anhänger in der Nacht nach München gebracht.
Der Trupp von Gregor Strasser war nicht unmittelbar an dem Umsturzversuch von Hitler beteiligt, sondern hatte den Auftrag die Wittelsbacherbrücke zu besetzen. Als der Hitlerputsch zusammenbrach handelte Strasser den freien Rückzug mit Waffen aus und führte seine Mitstreiter per Eisenbahn wieder in die niederbayerische Heimat zurück. Strasser wurde erst am 2. Februar 1924 verhaftet und in das Gefängnis nach Landsberg gebracht. Bekanntlich waren dort auch Hitler und einige seiner Anhänger eingesperrt. Nach kurzem Gefängnisaufenthalt, er ließ sich als Kandidat für den „Völkischen Block“ für den Bayerischen Landtag nominieren, musste er aufgrund seiner Kandidatur am 26. Februar wieder freigelassen werden und setzte seine nationalsozialistische Agitation beim Landtagswahlkampf in Niederbayern fort.
Bei der Landtagswahl am 6. April 1924 erhielt der „Völkische Block“, die NSDAP war nach dem Hitlerputsch verboten worden, in Pfeffenhausen 38.7 % der abgegebenen Stimmen. Ausschlagend dafür dürfte wohl der Auftritt von Gregor Strasser am 31. März in Pfeffenhausen im Gasthof der Brauerei Weinzierl (später Rauchenecker) gewesen sein. Zum Vergleich: In Rottenburg wählten nur 20.4 % den „Völkischen Block“ und in den kleineren Nachbargemeinden wie Hornbach, Pfaffendorf, Rainertshausen und Oberlauterbach erreichte der „Völkische Block“ nur zwischen 2.5 % und 6 % der Stimmen.
Die massive Propaganda der Nationalsozialisten unter der Führung Gregor Strassers in Niederbayern war aufgegangen und Strasser zog als Abgeordneter des „Völkischen Blocks“ in den Bayerischen Landtag ein. Wie es nach der Aufhebung des Verbotes der NSDAP im Jahre 1925 in Pfeffenhausen weiterging, darüber gibt das Schreiben des ersten NSDAP-Ortsgruppenleiters Zierer. weitere Auskunft: „So kam im Sommer 1925 abermals Strasser zu mir und sagte: „Zierer. jetzt sollen auch Sie wieder in Pfeffenhausen anfangen.“ Ich gab zur Antwort, dass sich dieses nach dem Vorfall am 9. Nov. 1923 in einem kleinen Orte schwer machen lässt. Strasser meinte, das macht nichts, wenn auch der Anfang klein ist. So probierte ich es und brachte 5 Mitglieder zusammen. Bis Mitte 1929 wurden es 11 Mitglieder. Bis 1929 wurde Pfeffenhausen als Zelle benannt, von da ab Ortsgruppe. Am 30. Januar 1933 waren wir noch kaum 20 Mitglieder. Aber im Verhältnis zu der Mitgliederzahl hatte Pfeffenhausen bei den Wahlen immer eine ansehnliche Zahl von nationalsozialistischen Stimmen. Nach der Wahl am 5. März 1933, wo die NSDAP eine ungeahnte Zahl von Stimmen erreichte, wurde es lebendig in die Aufnahme in die Partei.“
Hohe Stimmenanteile bei Reichs- und Landtagswahlen für die NSDAP
Bei der letzten freien Reichstagswahl am 5. März 1933 hatte die NSDAP 66.6 % der Stimmen in Pfeffenhausen erhalten. Auch in Oberlauterbach stimmten 59 % der Wähler für die NSDAP. In den Gemeinden Hornbach, Pfaffendorf und Rainertshausen stimmten zwischen 44 % und 48 % für die Nationalsozialisten. In Rottenburg erreichte die NSDAP 45.9 % der Stimmen. In Bayern hatten 43.1 % und im Deutschen Reich 43.9 % der Wähler für die NSDAP ihre Stimme abgegeben.
Aber schon vor der Machtübernahme der NSDAP hatten die Pfeffenhausener Wähler bei Landtags- und Reichstagswahlen überproportional für die Nationalsozialisten gestimmt.
Bei der Reichstagswahl am 14.9.1930 erreichte die NSDAP 36.4 % der Stimmen. In den umliegenden Gemeinden Hornbach, Pfaffendorf, Oberlauterbach und Rainertshausen bekam die NSDAP nur zwischen 1 % und 13 % der Stimmen. In Rottenburg hatten nur 18.4 % die NSDAP gewählt.
Bei der Landtagswahl am 24. April 1932 gab es einen enormen Rechtsruck. In Pfeffenhausen stimmten 50.5 % der Wähler für die NSDAP. In Rottenburg nur 27 % und in den Gemeinden Hornbach, Pfaffendorf, Oberlauterbach und Rainertshausen zwischen 7 % und 21 % für die Nationalsozialisten.
Bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 bekam die NSDAP bereits 45.2 % der abgegebenen Stimmen in Pfeffenhausen. In Rottenburg stimmten nur 18.2 % für die Nationalsozialisten und in den Gemeinden Hornbach, Pfaffendorf, Oberlauterbach und Rainertshausen bekam die NSDAP zwischen 7 % und 20 %. In Niederbayern stimmten damals nur 19 %, in Bayern 30.5 % und im Deutschen Reich 33 % für die NSDAP.
Woher kamen diese großen Stimmengewinne für die NSDAP?
Anhand der Wahlergebnisse ist ganz deutlich zu sehen, dass schon ab 1930 die NSDAP in Pfeffenhausen bei Wahlen zur stärksten politischen Kraft geworden war. Die Bayerische Volkspartei (BVP), die Partei des Mittelstandes, verlor immer mehr Stimmen an die NSDAP.
Auch der Bayer. Bauern und Mittelstandsbund, der zwar in Pfeffenhausen nie über 5 % und 13 % der Stimmenanteile hinauskam, sackte bei den letzten Reichstagswahlen auf 1-2 % der Stimmen ab. Der Mittelstand, die örtlichen Handwerker und Gewerbetreibenden und auch ab November 1932 große Teile der Bauernschaft wandten sich immer stärker dem Nationalsozialismus zu. In den umliegenden Gemeinden Hornbach, Oberlauterbach, Pfaffendorf und Rainertshausen gab es deutliche Wählerverschiebungen von der Bayerischen Volkspartei und vor allem von dem Bayer. Bauern und Mittelstandsbund zur NSDAP hin.
Die Stimmenanteile für die Arbeiterparteien SPD und KPD blieben lange Zeit konstant. Die KPD hatte bei der Reichstagswahl am 6. Nov. 1932 noch 10.6 % der Stimmen in Pfeffenhausen erreicht. Die SPD kam auf 5.6 %. Erst bei der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933, die schon durch einen massiven Terror der Nationalsozialisten gegen ihre politischen Gegner bestimmt war, sanken die Stimmen auf 2.2 % für die KPD und auf 2.7 % für die SPD.
Der Opportunismus blühte bei der Entnazifizierung
Nach der Reichstagswahl vom 5.März 1933 wurde es „lebendig in die Aufnahme in die Partei“, wie der damalige NSDAP-Ortsgruppenleiter M. Zierer sen. schrieb. Dieser gab übrigens im April 1933 seine Funktion als Ortsgruppenleiter der NSDAP Ortsgruppe Pfeffenhausen auf,weil er den wahren Charakter des Nationalsozialismus nach der Machtübernahme erkannte und diese Politik nicht mehr unterstützen wollte. Dafür musste er viele Nachteile und Anfeindungen während des Nationalsozialismus hinnehmen. Da er ein sehr geachteter und beliebter Bürger von Pfeffenhausen war, trauten sich nicht die NS-Funktionäre nicht, seine Söhne und ihn massiver anzugehen.
Viel weniger Charakter und Zivilcourage zeigten viele Pfeffenhausener Parteigenossen nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.
Es ist schon erstaunlich, wenn in den Spruchkammerakten (Entnazifizierungsverfahren ab 1946) vieler ehemaliger Pfeffenhausener NSDAP-Parteigenossen zu lesen ist, dass sie nur aus geschäftlichen oder beruflichen Gründen in die NSDAP eingetreten waren bzw. Druck zum Eintritt in die NSDAP auf sie ausgeübt worden war. Viele wollten nur als „Mitläufer“ beim Spruchkammerverfahren eingestuft werden und dies gelang auch vielen ehemaligen Parteigenossen. Der Opportunismus blühte und nur wenige übernahmen die Verantwortung für ihr Handeln und Tun während der Zeit des Nationalsozialismus.
Konrad Haberberger